Uns Kunden wird Videoüberwachung im Einzelhandel gerne als Sicherheitsmaßnahme verkauft. Doch geht es in Wahrheit gar nicht um die Sicherheit der Kunden? Wirft man einen Blick über den Tellerrand, etwa in Richtung U-Bahn-Tretern/Schlägern oder Selbstmordattentätern, dann wird klar – Sicherheit ist relativ. Unstrittig dürfte sein, Videoüberwachung dient in jedem Falle der Sicherheit des Betreibers. Für den Betreiber sind alle Kunden potenzielle Ladendiebe/Räuber und alle Mitarbeiter ebenso potenzielle Diebe und Faulpelze. Doch das folgende Beispiel zeigt wohin die Reise wirklich hingeht. „Sicherheitskameras“ werden für Profilingzwecke verwendet!

Genauestes Konsumverhalten-Tracking in Form von Werbeoptimierung dank Gesichts- und Bewegungserkennung! Mehr Macht, Sicherheit und Gewinnmaximierung sind für Einzelhändler ein lohnendes Ziel, der Datenschutz wird geopfert. Wie weit wird aktuell bereits sind, zeigt das Beispiels der Warenhauskette Real. Diese testete nämlich mittels Gesichtsanalyse ob man die Werbung noch feinjustierter an den Käufer bringt. Nach Informationen der Lebensmittelzeitung und Spiegel Online waren 40 Real-Supermärkte in einem Testverfahren beteiligt.

Die eingesetzte Analysesoftware vermass jeden Blick eines Kunden der dieser auf einen Werbebildschirm richtete. Anschließend wurde fleißig ausgewertet. Gespeichert werden zudem Geschlecht und Alter des Kunden – sowie die Betrachtungsdauer. Dafür wird zunächst ein Bild des Kunden gespeichert. Nach Aussage des Unternehmens sei das Verfahren datenschutzrechtlich nicht zu beanstanden. Die Aufsichtsbehörden im Datenschutz sehen das wohl zumindest teilweise anders.

Persönlich bin ich in der Realität angekommen, und seit der Buchrecherche zu meinem Praxisratgeber „Die Datenschutz-Lüge: Alles was du siehst ist nichts“ (ISBN-13: 978-3734569630) zudem kaum schockiert! Insbesondere darum, weil mir bewusst wurde, dass Unternehmen selbst nach aktivem Nachfragen nur in den seltensten Fällen zufriedenstellend antworteten. Auch bei Real war das Medienecho wohl angekommen. Denn das Unternehmen stellte folgende „fünf Fakten zu dem System“ in einem Bericht klar:

  • Das von der Firma echion AG installierte System, das unter anderem auch bei der Deutschen Post zum Einsatz kommt, erfasst ein Gesicht, um bestimmte demografische Daten zu erfassen.
  • Die Personen werden nicht erkannt. Das System erkennt lediglich z.B. einen Mann von ca. 45 Jahren. Die entstandenen Daten sind keiner Person zuzuordnen und es entstehen folglich keine personenbezogenen Daten.
  • Die datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit des Adpack-Systems wurde von der ePrivacyseal GmbH geprüft und das System mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert.
  • Die Bildschirme mit aufmontierter Kamera werden in 40 von 282 Real-Märkten getestet und auch dort immer nur an fünf Kassen. Die Testphase begann im Herbst 2016.
  • Die Bildschirme gehören nicht Real, sondern werden als Werbefläche an einen Dienstleister vermietet, der sich dazu verpflichtet hat, sämtliche datenschutzrechtliche Bestimmungen einzuhalten.
  • Am 27. Juni hat Real bekannt gegeben, den Test mit sofortiger Wirkung zu beenden. „Der Kundennutzen vom Einsatz technologischer Weiterentwicklungen muss jederzeit für Kunden nachvollziehbar sein. Das war im vorliegenden Fall nicht gewährleistet,“ so das Unternehmen. Ende gut alles gut? Was ist deine Meinung?

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